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Archival Pigment Print | Formate: 137,5 cm x 110 cm (Auflage: 6 +2AP) u. 85 cm x 68 cm (Auflage: 7 +2AP)

Alpine Entertainment I

Galt vor hundertfünfzig Jahren noch die Vorstellung, in den Alpen sei nichts “Theater” (das Gebirge sei Gebirge, die Gebäude nur Gebäude, die Menschen Menschen, unverdorben, nicht weit von Rousseaus Wilden entfernt), lebt die heutige Tourismusindustrie buchstäblich das Theater. Würde Hannibal heute die Alpen überqueren, dann träten – so die nicht gerade sinnreiche Geschichte – Pistenbullys an die Stelle von Elefanten. Die modernen Krieger finden sich in Skiläufern, Kletterern und Fallschirmspringern, statt Reiter überqueren Skidoos den Gletscher. Flugakrobaten treten auf, um den Zug gegen Süden zu stören. An Lichteffekten, Musik, Videos und Pyrotechnik wird nicht gespart: “Ein Bett im Schnee. Damit fängt alles an. Es steht fast an der Spitze der 20 m hohen Pyramide …” Dass diese Pyramide an Bauten der Azteken denken lässt, tut ebenso wenig zur Sache wie der Umstand, dass ein Alpha Jet in die Luftschlacht um Troja eingreift, während drei Kilometer entfernt eine künstlich ausgelöste Lawine donnernd zu Tal stürzt: “Ein einem Schneesturm ähnliches Chaos von Menschen und Maschinen, aufregend in Szene gesetzt, ohrenbetäubend, ist vorläufiger Höhepunkt der Inszenierung, ehe sich Hannibal, der sich im wirklichen Leben vergiftet hatte, an einem dünnen Seil, kopfüber am Hubschrauber hängend, in aller Stille aus dem Schneestaub macht.” Ein heilloses Gemenge unterschiedlichster Zitate. Aber was macht das schon, knallt und leuchtet es, fehlt es nicht an Alkohol.
In immer kürzerer Zeit sind Tourismusanbieter gezwungen ihre Märkte neu zu erfinden: Erlebnisorientierung, Fun und ständig neue Kicks. “Atemberaubende Projekte zur Belebung der Alpen, des größten Freizeitparks der Welt”, seinen nötig, “Attraktionen im Grenzbereich, Elektromagneten.”
Hechenblaikner bedient sich in seiner Dokumentation des nächtlichen Spektakels sehr langer Belichtungszeiten und macht so sichtbar, was in den schnellen Bildabfolgen der Inszenierung unsichtbar bleibt, nämlich das Absurde des Spektakels.

Dr. Bernhard Kathan

Mehr zu Bernhard Kathan unter: www.hiddenmuseum.net